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Kreuzbandriss

Der Kreuzbandriss

 

 

Der Kreuzbandriss ist die häufigste Lahmheitsursache der Hintergliedmaße beim Hund.  Ein gerissenes Kreuzband verursacht eine Instabilität im Kniegelenk, einhergehend mit einer Entzündungsreaktion und Schmerzen. Unbehandelt führt ein Kreuzbandriss zu einer Arthrosebildung und andauernden Lahmheit.

 

 

Die Kreuzbänder – Was ist das und wieso sind sie wichtig?

 

 

*1 Ansicht des Kniegelenks eines Hundes von vorne. Der Femur ist der Oberschenkel, Tibia und Fibula bilden den Unterschenkel. das „Caudal cruciate ligament“ ist das hintere Kreuzband, das „Cranial cruciate ligament“ das vordere Kreuzband. Die querverlaufende graue Struktur repräsentieren die beiden Menisken des Kniegelenks

Die Kreuzbänder sind zwei wichtige Bandstrukturen des Knies.  Sie verbinden den Oberschenkelknochen (Femur) mit dem Schienbein (Tibia) und stabilisieren das Kniegelenk in seiner Funktion. Durch ihren sich kreuzenden Verlauf der Fasern kommen sie zu ihrem Namen (siehe Abb.1 Das Knie) Ein Band verläuft von innen nach außen und eines von außen nach innen. Sie werden vorderes und hinteres Kreuzband genannt (ligamentum cruciatum cranialis /caudalis) und bilden zusammen mit den Menisken, der Kniescheibe, den oben bereits erwähnten Knochen, dem Wadenbein und den Seitenbändern das Kniegelenk. Bei Hunden ist die häufigste Knieerkrankung eine Ruptur des vorderen Kreuzbandes. Menschen haben einen ähnlichen Aufbau des Kniegelenks und gerade Sportler erleiden häufig ebenfalls Kreuzbandrisse.

 

 

 

 

 

 

 

Wie kommt es zu einem Kreuzbandriss?

 

Das Kniegelenk ist der Funktion nach ein Drehscharniergelenk (femorotibialgelenk) und im Vergleich zu anderen Gelenken des Körpers relativ instabil, da die beteiligten Knochen nicht ineinandergreifen. Stattdessen sorgt ein ausgeprägter Bandapparat, unter anderem das vordere Kreuzband und das hintere Kreuzband, für Stabilität im Gelenk und schränkt die Bewegungsmöglichkeiten ein (insbesondere Rotationsbewegungen). Beim Menschen ist ein Kreuzbandriss häufig traumatisch bedingt – das bedeutet es kommt durch eine Krafteinwirkung von außen (beispielsweise beim Skifahren oder Fussballspielen) zu einer Schädigung des Knies, wobei das Kreuzband beschädigt wird oder ganz zerreißt.  Dies ist prinzipiell auch bei unseren Haustieren möglich und kann neben den Kreuzbändern auch anderen Strukturen des Knies, wie zum Beispiel Menisken oder Seitenbänder betreffen. Eine Verletzung dieser Art ist in der Regel hochgradig schmerzhaft, das Gelenk wird instabil. Die Patienten zeigen in der Regel eine starke Lahmheit.

Neben dieser traumatischen Ursache des Kreuzbandrisses gibt es beim Hund häufig Fälle von Rissen des vorderen Kreuzbandes, denen nur ein sogenanntes Bagatelltrauma (durch eine kleine Fehlbelastung beim Spielen oder Rennen) vorausging. Eine erbliche Komponente in der Entstehung der Krankheit ist wahrscheinlich. Übergewichtige Patienten und Hunde, die an einer Patellaluxation leiden, haben eine höhere Wahrscheinlichkeit einen Kreuzbandriss zu erleiden. Bei diesen Patienten ist in der Regel das vordere Kreuzband rupturiert. Es ist möglich, dass das Band nicht auf einmal zerreißt, sondern sich über einen längeren Zeitraum einzelne Fasern überdehnen und reißen, bis das gesamte Band zerstört ist.  Eben genannte Patientengruppe hat ein höheres Risiko im Laufe ihres Lebens auch im anderen Bein einen Kreuzbandriss zu erleiden.  Ein sorgsames Gewichtsmanagement kann, gerade bei übergewichtigen Patienten, den Therapieerfolg entscheidend mit beeinflussen.

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Wie wird ein Kreuzbandriss diagnostiziert?

 

Die Diagnose des Kreuzbandrisses erfolgt in der Regel klinisch. Wache Patienten sind durch die starke Oberschenkelmuskulatur oft so verspannt, dass sich die dynamische Instabilität im Knie von betroffenen Patienten nicht sicher nachweisen lässt. Bei sehr kooperativen Patienten oder sedierten (schlafenden) Tieren lässt sich ein „Schubladentest“ oder „Tibiakompressionstest“ durchführen, die die Laxizität in betroffenen Gelenken sicher anzeigen und beweisend für eine Ruptur des vorderen Kreuzbandes sind. In der Regel werden Röntgenaufnahmen angefertigt, um die Gesamtstruktur des Kniegelenks einschätzen zu können. Insbesondere zur Operationsplanung und um zu Prüfen ob sich bereits eine Arthrose gebildet hat sind diese unerlässlich.

Wenn Sie die Befürchtung haben Ihr Hund könnte einen Kreuzbandriss oder eine andere Erkrankung des Knies haben, dann kontaktieren Sie uns gerne um einen Termin zu vereinbaren.

 

Was ist die richtige Therapie bei einem Kreuzbandriss ?

 

Der Kreuzbandriss, insbesondere beim Hund, sollte operativ versorgt werden. Eine bloße Ruhigstellung des Patienten mit Verabreichung von Schmerzmitteln/ Entzündungshemmern oder Nahrungsergänzungsmitteln ist nicht ausreichend und führt langfristig zu Problemen. Durch die andauernde Instabilität im Knie kommt es zu einer Gelenksentzündung (Arthritis). Diese ist schmerzhaft und führt zu einer ausgeprägten Arthrosebildung. Es gibt verschiedene Möglichkeiten einen Kreuzbandriss operativ zu versorgen. So unterscheidet man grundsätzlich zwischen sogenannten Bandersatz-Operationen und sogenannten Umstellungsosteotomien. Möglichkeiten des Bandersatzes umfassen zum Beispiel die „tight-rope“-Methode oder die klassische Fadenzügelung. Die Umstellungsosteotomien wie etwa die TPLO (tibia plateau leveling osteotomy) und die TTA (tibial tuberosity advancement) stellen heutzutage die am weitesten verbreiteten Operationsmethoden dar und haben sich über Jahre hinweg im klinischen Einsatz bewähren können.

 

 

Lesen Sie im Folgenden mehr über die einzelnen Operationstechniken

 

 

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Fadenzügelung und tight rope

 

Die extrakapsuläre Fadenzügelung nach Flo ist eine seit Langem angewandte Methode des Bandersatzes. Ein nichtresorbierbarer Faden wird so im Oberschenkelknochen und Schienbein verankert, dass die Gelenkstabilität verbessert wird. Die sogennante „tight-rope“-Methode ist eine neuere Methode des Bandersatzes. Der Vorteil dieser Operationstechniken besteht darin, dass ein Sägen des Knochens wie bei den Umstellungsosteotomien nicht stattfinden muss. Gerade bei Katzen und kleinen Hunden sind diese Operationstechniken sinnvollerweise im Einsatz.

 

 

 

 

 

TTA

 

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Die TTA (tibial tuberosity advancement) Rapid ist eine Umstellungsosteotomie. Dies bedeutet, dass durch ein Abändern der Knochenkonformation eine Umverteilung der Kräfte im Kniegelenk erreicht wird, was zu einem Auflösen der Symptome führt. Der Schmerzhaftigkeit des Patienten geht zurück und die Arthrosebildung wird angehalten oder verlangsamt.  Ein in der Regel nicht größer als 8-10cm großer Schnitt auf der Innenseite des Unterschenkels wird angelegt.

 

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Nach einer sorgfältigen Präparation des Gewebes bis auf den Knochen wird ein Sägeschnitt durchgeführt (siehe Bild). Im Anschluss wird der Schnitt erweitert und ein spezielles Titanimplantat eingebettet. Dieser sogenannte Keil oder „cage“ wird mittels vier oder sechs Titanschrauben im Unterschenkel verankert. Die Komplikationsrate ist in der Regel niedrig und die Operationsmethode hat sich tausendfach bewährt. Mögliche Komplikationen können Infektionen, Meniskusschäden oder ein Abriss des Tibiaplateaus umfassen.  Die Patienten erholen sich häufig sehr gut von der Operation und müssen oft in ihrer Bewegung gebremst werden.

 

 


 

 

 

 

 

 

TPLO 

 

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Die TPLO (tibia plateau levelling osteotomy) ist, genau wie die TTA, eine äußerst bewährte Operationsmethode und die Komplikationsrate ist in der Regel gering. Ein halbkreisförmiger Schnitt im oberen Bereich des Schienbeins durchtrennt den Knochen. Das Fragment wird so rotiert, dass die durch den Kreuzbandriss auftretende Instabilität im Knie und das damit verbundene vorwärtsgleiten des Schienbeins (man spricht von einem sogenannten „tibial thrust“) aufgehoben wird und für normale Kraftverhältnisse im Gelenk sorgt. Das obere Schienbein wird im Anschluss mit einem Metallimplantat in Position gehalten. Gerade bei Hunden mit besonders extrem ausgeprägten, steilen Gelenkflächen (einem großen Tibiaplateauwinkel) eignet sich eine TPLO hervorragend zur Therapie des Kreuzbandrisses.

 

 

Nach der Operation:

 

Strikter Leinenzwang ist für ca. 6 Wochen nach der Operation nötig. Die Änderung des Bewegungsumfangs sollte nur in genauer Absprache mit dem Tierarzt erfolgen.
Zunächst sollten nur kurze Spaziergänge gemacht werden. Diese können mehrmals am Tag erfolgen, jedoch ist ein strikter Leinenzwang Pflicht. Ihr Tier sollte für diese Zeit nicht mit anderen Tieren spielen und sich nicht frei in großen Räumen bewegen. Das Springen in ein Auto oder auf das Sofa sollte vermieden werden. Nachdem Kontrollröntgenbilder angefertigt wurden und die Heilung für gut befunden wird, darf Ihr Hund wieder langsam anfangen zu schwimmen und die allgemeine Belastung kann über die nächsten Wochen allmählich gesteigert werden bevor dann zu der normalen Aktivität zurückgekehrt werden kann. Wenn Sie ihr Tier nach der Operation nach Hause holen, bekommen Sie einen detaillierten Leitfaden, um Ihren Vierbeiner nicht zu früh zu überlasten.

In den meisten Fällen wird Ihr Tier mit einem Pflaster oder einem kleinen Verband nachhause gehen. Diese fallen oft nach einigen Tagen ab. Eine leichte Schwellung und geringe Unterhautblutung ist normal und sollten sich bald nach der Operation gelöst haben. Es ist wichtig, dass Sie die Naht regelmäßig beobachten und übermäßige Schwellung oder Blutungen Ihrem Tierarzt mitteilen. Es ist wichtig, dass Ihr Tier nicht an der Wunde lecken oder kratzen kann. Das ganztägige Tragen eines Halskragens kann nötig sein und wird generell empfohlen.

 

Empfohlene Nachkontrollen:

 

Die erste Nacht nach einer Operation des Kreuzbandrisses wird Ihr Hund in der Regel in unserer Obhut verbringen. Eine Wundkontrolle 3-5 Tage nach der Operation ist angeraten. Die Fäden der Hautnaht können nach 10-14 Tagen gezogen werden. Zusätzlich sollten Sie uns kontaktieren, wenn Sie eine der folgenden Dinge beobachten:

 

    1. Übermäßige Schwellung oder Rötung
    2. Ausfluss von Flüssigkeit aus der Wunde
    3. Zunehmende Lahmheit nachdem Ihr Tier schon besser lief
    4. Lahmheiten an anderen Gliedmaßen

 

Röntgenbilder Nach 4-6 Wochen sowie möglicherweise erneut zu einem späteren Zeitpunkt (nach 8 / 12 Wochen) sind sinnvoll, um die Knochenheilung zu beurteilen.

Die Prognose eine normale oder annähernd normale Funktion des Gelenks zu erlangen ist exzellent. Die allermeisten Patienten können wieder ein aktives und schmerzfreies Leben führen. Potentielle Komplikationen nach einer TTA/TPLO-Operation können bei Nichteinhalten der Aktivitätseinschränkung Implantatversagen oder Infektion sein. Das Implantat wird üblicherweise im Körper des Tieres belassen. Der Therapieerfolg hängt maßgeblich von der Kooperation von Tier und Tierbesitzer ab, um dem Knie genügend Zeit zu verschaffen, um sich zu regenerieren und dem Knochen zu erlauben fest zusammenzuwachsen.  Bei Tieren, die unter Fettleibigkeit leiden ist diese postoperative Phase doppelt gefährlich, da durch das (zu) hohe Körpergewicht die Chance steigt, dass durch eine Überlastung des anderen Hinterbeins auch das Kreuzband der anderen Seite reißt. Die Heilungszeit ist bei Patienten mit Adipositas verlängert, sodass eine Gewichtsreduktion Sinn macht.

 

Sollten Sie weitere Fragen haben oder vermuten Ihr Tier könnte einen Kreuzbandriss haben, dann kontaktieren Sie uns gerne um einen Termin zu vereinbaren.

 

 

 

 

Bildquellen:

*1,*2,*6 Wikipedia; *3 Arthrex; *4 Rita Leibinger; *5 TK Ger;